4. Meeresströmungen und das Leben im Ozean

Das große marine Ökosystem des Benguelastroms

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Fangmengen der namibischen Fischereien 1950-2000.
Fangmengen der namibischen Fischerei 1950-2000.
Quelle: M.O'Toole, BCLME.
 
 
Fangmengen der namibischen Fischerei 1950-2000.

Das 'Beguela Current Large Marine Ecosystem' (BCLME - Benguela Current Large Marine Ecosystem) ist das ertragreichste Küstenauftriebs­gebiet der Erde. Es ist höchst produktiv und versorgt Fischereien jährlich mit über einer Million Tonnen Fische und anderen Meeresfrüchten wie Hummer, Kabeljau, Dorsch, Schellfisch, Sardinen und Sardellen.

Sardinen und Sardellen laichen an den Ufern des Agulhas. Mit der Strömung treiben die Eier und Larven dann in westliche Richtung zurück in das Benguelasystem.

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Delfine auf Sardinenjagd.
Delfine auf Sardinenjagd.
Quelle: Universität Kapstadt
Delfine auf Sardinenjagd.

Diese winzigen Fische sind Nahrung für größere Fische, Meeres­säuge­tiere und Vögel. Sardinen und Sardellen haben eine große wirtschaftliche Bedeutung, die allerdings in den letzten Jahren etwas abgenommen hat.

Potenzielle Umweltrisiken für das Ökosystem sind Überfischung, Ver­än­derungen des Biotops, und eine hohe Verschmutzungsgefahr durch Ölboh­rungen und den Abbau von Minera­lien am Meeresboden; es sei denn, dies wird ökologisch und umwelt­freundlich betrieben.

Internationale Zusammenarbeit

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Bunte Fischerboote Hout Bay bei Kapstadt
Fischerboote auf Hout Bay bei Kapstadt
Fischerboote auf Hout Bay bei Kapstadt.

Das 'Benguela Current Ecosystem' umfasst das Gebiet von der südlichen Spitze des afrikanischen Kontinents bis zum Übergang in den Guinea­strom nördlich von Angola. Um eine nachhaltige Nutzung des Benguela-Systems zu etablieren, vereinbarten die Regierungen von Südafrika, Namibia und Angola eine Kooperation und gründeten die 'Benguela Commission', die sich länderüber­greifend mit Umweltbelangen befas­sen soll (siehe Links).

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Ein Schiff baggert Diamanten an der namibischen Küste
Ein Schiff baggert Diamanten an der namibischen Küste.
Quelle: Bonaparte Diamond Mines.
Ein Schiff baggert Diamanten an der namibischen Küste.

Zu den grenzübergreifenden Belangen gehören die Wanderung wertvoller Fischbestände jenseits der nationalen Grenzen, die Einfuhr invasiver Tier- und Pflanzenarten durch das Ablassen von Ballastwasser aus Schiffen, und die Verbreitung von Schadstoffen und schädlichen Algenblüten durch Wind und Strömung.

Die Kooperation zwischen den drei Nationen umfasst

  • die Entwicklung ökologischer Vorschriften und Maßnahmen zur Regulierung der Fischerei,
  • die Entwicklung einer praktikablen Meereskulturpolitik,
  • die Untersuchung sozio-ökonomischer Auswirkungen unterschied­licher Fischfangmethoden, und
  • die Lösung des Interessenkonflikts zwischen der Fischereiindustrie und dem Abbau von Diamanten, Gold, Öl und Gas im Küstengebiet.

 

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Karte der Meeresoberflächentemperatur der afrikanischen Südküste mit dem Agulhasstrom und Benguelestrom
Karte der Meeresoberflächentemperatur der afrikanischen Südküste am 3. Februar 2008 (Sommer im Süden). Der warme Agulhasstrom und der kalte Benguelastrom sind gekennzeichnet.
Quelle: NOC. Mit Bilko software aus Ostia SST-Daten und NOAA-NGDC Coastline Extractor  erstellt.

Schädliche Algenblüten und Schwefelausbrüche

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Hummer verlassen das Meer während eines niedrigen Sauerstoffpegels
Hummer verlassen das Meer bei zu geringem Sauerstoffgehalt.
Quelle: Universität Kapstadt.

Eine hohe Phytoplanktonproduktion in den nährstoffreichen Auftriebs­gebieten ist die Voraussetzung für ein üppiges Leben im Benguela. Den­noch können auch diese positiven Bedingungen das Wachstum schädli­cher Algen begünstigen. Die Algen­blüte ist eine natürliche Neben­wirkung des hohen Nährstoff­gehalts im Auftriebsgebiet, kann aber durch Zufuhr von Schmutzwasser und Aus­schwemmungen verstärkt werden.

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Lobster walk out of the sea during a period of oxygen depletion.
Eine Schwefelwasserstofferuption an der namibischen Küste.
Quelle: NASA / M. O'Toole, BCLME.
 

Nach einer intensiven Blüte stirbt das Phytoplankton ab und sinkt in die Tiefe. Bei der Verwesung verbraucht es den gesamten Sauerstoff im Wasser. Tiere, die auf dem Meeres­boden leben, könnten ersticken, wenn sie nicht rechtzeitig ausweichen.

Mangel an Sauerstoff in den Sedi­menten unterhalb der Auftriebs­ge­bie­te führt zur Produktion von Schwefel­wasser­stoff (der sehr giftig ist und nach faulen Eiern stinkt) und verleiht den Sedimenten eine schwarze Färbung.

Manchmal bricht Schwefelwasser­stoff­gas aus den Sedimenten heraus und steigt in riesigen Eruptionen zur Meeresoberfläche, die sogar aus dem Weltall sichtbar sind (links). Solche giftige Ausbrüche können unzählige Fische töten (siehe Links).

Mögliche Folgen der globalen Erwärmung

Mit der globalen Erwärmung könnte das Auftreten schädlicher Algenblüten sowie Schwefelausbrüche zunehmen. Eine weitere Folge könnte die Störung des Gleichgewichts in den Auftriebsgebieten sowie eine Vermischung des warmen und kalten Wassers sein.

El Niño-ähnliche Phänomene haben in der Vergangenheit negative Auswirkungen auf das Wanderungsverhalten von Fischen, Vögeln und Säugetieren gezeigt und viele Arbeitsplätze in der Fischerei vernichtet. Wird die Erde wärmer, können auch die sogenannten ‘Benguela-Niños’ zunehmen.